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Die kleine Yacht für den Steg vor der Tür
Samstag, 10. Juni 2006 04:00
Von Norbert Gisder Eine Wasserdusche nach der anderen
fegt über das Deck des Runabout.
Von Norbert Gisder Eine
Wasserdusche nach der anderen fegt über das Deck des Runabout. 35 Knoten
Geschwindigkeit zeigt der Tachometer im edlen Oval des Instrumentenblocks, in
dem auch das Mahagonilenkrad mit den gelochten Stahlspeichen Platz gefunden hat.
35 Knoten. Mal 1,852 bezeichnet die Kilometer pro Stunde, mit denen Piloten
dieses vielleicht schönsten unter den modernen Retro-Sportbooten ihre Bahn
ziehen. Das Tempo kann man mit dem Gefühl vergleichen, das man in einer
Sportlimousine hat, die mit 250 über die Dorfstraße heizt.
Dabei sind die erstaunlichsten Stunts mit diesem idealen
Sporttrainer für den ambitionierten Wasserski-Crack möglich: In voller Fahrt
greift etwa unser Test-Pilot in die Speichen und zieht das Lenkrad über
Backbordbug zu. Immer enger dreht sich der Vollgleiter. Schließlich zeigt der
Kreis des eigenen Fahrwassers kaum noch den Durchmesser von vier Bootslängen.
Wir haben die Klinkerbauten von Berliner Bürgerbräu und das Wassersportzentrum
Berlin in Köpenick hinter uns. Die Idylle der Müggelspree im Südosten Berlins
läßt uns den anderen Reiz des schönen Bootes atmen: Das Promenieren. Zwei Tage
haben wir den Kurvenstar aus der österreichischen Frauscher-Werft mit dem
weltweit besten Sportboot-Dieselaggregat aus der VW-Marine-Produktion getestet -
von der Marina Lanke in Spandau aus über Havel und Spree die Innenstadt
durchquert, Schloß Bellevue, Kanzleramt, den neuen Berliner Hauptbahnhof, die
Museumsinsel und die rostige Ruine des Palastes der Republik passiert. Zwei Tage
Vergnügen. Zwei Tage auf der edelsten Tochter jener Retro-Werft, die bereits in
dritter Generation immer noch von der selben Familie geführt wird und diese
Charakterboote zu einer weltweit bekannten Marke gemacht hat, die neben Riva
(Italien) und Boesch (Schweiz) zu den Sympathiesymbolen auf dem Wasser zählen:
Frauscher. 6000 Sportboote mit dem nostalgischen Schriftzug auf der Wasserlinie
fahren weltweit, fast 150 kommen jedes Jahr hinzu. In diesem Jahr mit einem
neuen Hype: Zwei Frauscher 757 St. Tropez sind erstmalig mit dem Volkswagen V6
TDI Marinemotor ausgestattet, dessen 225 PS den Teak-Stahl-Hightech-Athleten
spielerisch und mit wunderbar perfektioniertem Wirkungsgrad der großen,
neigungsoptimierten Schraube auf V-Max schieben, ebenso brachial wie
wirkungsvoll auch wieder zum Stillstand bringen. Die Symbiose von Boot und Motor
scheint fürwahr perfekt. In der Gläsernen Manufaktur in Dresden baut der
Wolfsburger Konzern sogar eigens für diese Wunderyacht zwei
Phaeton-Sondermodelle, die in Ausstattung und Lack mit Boot und Trailer aus
Österreich abgestimmt werden. Nicht nur Volkswagen Marine und ihr neuer V6
TDI-Marine-Motor "TDI 225-6" kommen dabei gut weg. 120 000 Euro legen
Käufer für ihre Passion gern auf die Back. Daß sich Kunden später möglicherweise
sogar für einen anderen Motor als den von VW entscheiden, daß sie gänzlich auf
eine Verbrennungsmaschine verzichten und die Naturnähe mit einem Elektromotor
kultivieren, wird ebensowenig der Laufruhe wie dem sehr effizienten Schub der
alternativen Antriebe schaden. Schließlich ist die Nobelwerft, in der übrigens
ein Daycruiser in der 10-Meter-Klasse gebaut werden soll, auch der größte
Hersteller von Elektro-Sportbooten weltweit. (Mitarbeit:
Jenny May)