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Zug der Zeit: Drei Zylinder
Samstag, 18. Mai 2002 04:00 - Von Norbert
Gisder und Knut Böttcher
Audi im A2, VW im Lupo und Seat im Arosa sowie der Smart
haben es der modernen Auto-Welt vorgemacht: 3-Zylinder-Motoren von heute mit der
Technik von morgen sind in der Lage, die Leistung eines Vierzylinders mit der
Sparsamkeit zu verbinden, die man eben erst dann erreicht, wenn man auf eine
Brennkammer verzichtet. Nun bietet auch der koreanische Hersteller Hyundai einen
sparsamen Dreizylinder-Dieselmotor für seine beiden Erfolgsmodelle Accent und
Matrix an: Mit dem 1,5 CRDi hat der führende Hersteller aus dem kleinen
Tigerstaat in Südostasien einen flüssigkeitsgekühlten Viertakt-Reihenmotor auf
den Markt gebracht, der mit Turbo, Direkteinspritzung und Ladeluftkühlung
versehen ist, 60 kW/82 PS und 187 Nm Drehmoment hat. Das Aggregat von moderner
Bauart, mit Common-Rail von Bosch versehen, verfügt sogar über eine
Ausgleichswelle, die den unrunden Lauf des Dreizylinders glättet und seine
Vorzüge unterstützt.
Im Hyundai Accent wirkt der agile Motor fast wie das
Triebwerk in einer Rakete: Selbst am Berg geht der immerhin nahezu 1200 Kilo
(inkl. Fahrer) wiegende Kompaktwagen sportlich ab. 187 Newtonmeter Drehmoment
schon bei 2000 U/min. reichen überdies auch für stattliche Beschleunigungswerte:
Gerade 14 Sekunden bis 100 km/h, 170 km/h Spitze, das reicht in der Klasse der
kleinen Kompakten allemal, um in jeder Situation und selbst voll beladen, dann
immerhin deutlich über eineinhalb Tonnen schwer, mitzuhalten.
Der Verbrauch wird in der Stadt mit 7,2 Liter angegeben.
Außerstädtisch liegt er in jedem Fall deutlich unter 5 Liter, werksseitig werden
sogar 4,5 Liter versprochen. Im Durchschnitt 5,5 Liter sind aber wohl selbst im
Vergleich zur Konkurrenz aus Ingolstadt und Wolfsburg sehr passabel. In der
Ausstattungsvariante L kostet das Auto 12 790 Euro als Dreitürer. Als GLS
mit 5 Türen kostet er 14690 Euro.
Natürlich gibt es neben dem Dreizylinder auch noch die
beiden bekannten Ottomotoren: Der kleinere hat 1,3 Liter Hubraum und 55kW/75 PS,
der größere 1,5 Liter und 75 kW/102 PS. Alle drei Motoren sind mit
Vierstufen-Automatik lieferbar. ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung sind
Serie, die sonstigen Sicherheitsfeatures, die man von einem modernen Auto
erwartet, auch.
Zum Van: Praktisch ist er schon, der kleine Hyundai-Matrix
- hoch genug für alles Sperrige, variabel durch die verschiebbare Sitzbank im
Fond und bequem für Fahrer und Mitfahrer dank aufrechter Sitzposition. Flott ist
das Auto auch. Seine 82 PS sind gut für Tempo 160 in der Spitze. Doch sparsam
wird der Kleine erst durch den neuen Diesel, den ihm die Koreaner jetzt
verpassen. Obwohl sie den Bedarf an Selbstzündern nur in Europa ausgemacht
haben, legen sie eine völlig neu konstruierte Baureihe auf - neben den
Vierzylindern für die größeren Modelle auch Dreizylinder für die
kleineren.
Alle sind mit Common-Rail-Direkteinspritzung von Bosch und
sogar mit einer Ausgleichswelle ausgestattet. Der Matrix 1.5 CRDi tritt kräftig
an und schluckt nicht mehr als 6 bis 7 Liter Diesel pro 100 Kilometer bei
durchaus erträglichem Fahrgeräusch. Erst bei hohen Touren wird er laut, gibt
sich aber im Stadtbetrieb sanft und angenehm. Damit passt der Motor zum Auto,
das innen mit ansehnlichem Material ausgekleidet ist, das keineswegs so billig
wirkt wie etwa der Elantra, dessen Bodengruppe dem Matrix zugrunde liegt. Das
ansehnliche Äußere des kleinen Matrix stammt übrigens von keinem geringeren als
dem italienischen Karossier Pininfarina, dessen Design ihn aber höher und
kleiner erscheinen lässt, als er tatsächlich ist. Eigentlich zählt er zur
Kategorie der Kompakt-Vans wie Renault Scenic oder Opel Zafira, die allerdings
17 bzw. 30 Zentimeter länger sind und immerhin 2660 bzw. 4610 Euro mehr kosten
als der sehr kompakte Koreaner.
Gerade für die Länder zwischen Elbe und Oder kann sich der
koreanische Autobauer mit diesen beiden Modellen Hoffnungen machen, wie die
Erfahrung seit dem Start von Hyundai in Deutschland mit dem «Pony» zeigt. Bis
heute wurden immerhin mehr als 260 000 Einheiten von Hyundai Deutschland
verkauft. Der größte Autobauer, der selbst Kia geschluckt hat und zu 10 Prozent
dem DaimlerChrysler-Konzern gehört, hat in Südkorea 49 Prozent
Marktanteil.
Der Hyundai Motor Deutschland GmbH ist es vor allem wegen
ihres engmaschigen Händlernetzes mit 410 Stützpunkten gelungen, große Akzeptanz
zu erreichen. Die Palette attraktiver Modelle vom Coupé bis zum Van der erst
1967 gegründeten Hyundai Motor Company machte das Unternehmen in gerade 35
Jahren zum Global Player der internationalen Autoindustrie.