
Polit-Kabarett? Real-Satire! Zur Piraterie
und zum Abschied
des Bundeswehrverband-Chefs Bernhard Gerz
„Was kann man gegen Piraterie tun?“ Schweigen.
„Keine Ahnung.“, sagt Klassensprecherin Angela M.. Die Klasse von 2008 wird ihr
Abitur nicht bestehen. Der somalisch-afghanische Lehrer, dunkelhäutig,
Augenklappe, Kopftuch, Stoppelbart, schwerer Säbel in der Rechten,
Totenkopffahne in der Linken – steht vor den ungebildeten, übersaturiert
gebleichten Eliteschülern, mit denen auch die Eltern am liebsten nichts zu tun
haben würden – schaut voll Abscheu in die Runde, grinst: „Setzen,
sechs!“
Der kleine Sigmar G., oft noch nassforsch bis zur Feistheit,
verweist auf – ihm allerdings unbekannte – höhere Ordnungen. Frank-Walter S.
schlägt die Augen zu Boden. Jetzt bloß keinen Streit provozieren, denkt es in
dem geborenen Diplomaten. Vize-Klassensprecher Thomas S. findet die Frage „sehr
schwierig“ . Peter S., einst selbst Chef einer Bande kleiner Strolche und Gernot
E., Klassenbuchführer, fassen sich ein Herz und schlagen vor, mehr Kampfkraft
von den Freunden aus Amerika anzufordern.
Der Pirat grinst, fragt: „Ist
das alles?“ Nestelt an einer Handgranate am Sprengstoffgürtel, sagt : „Schön.
Dann schnappen wir uns morgen den nächsten Supertanker. Vielleicht en passant
noch eine schmucke Sportyacht. Oder ein Kreuzfahrtschiff. 300 Touristen drauf –
fette Geisel-Prise … prima! Und oben, in den Bergen, werden wir weiter das Koka
anbauen, aus dessen Pulververkauf wir die neuen Waffen
bezahlen.“
Betretenes Schweigen in der Runde. Unbelesen – was die
Entschiedenheit im Umgang mit den Männern der Tat auf See und in den Bergen
betrifft – zucken die Eleven hilflos mit den Achseln.
Dass die Zeiten
der Seeräuber-Jenny, wie Bert B. sie beschrieb, vorbei sind, weiß einzig
Bernhard G.. Der kleine, immer streitbare Raufbold mit Herz und Wissen, zeigt
deutlich Format – und Kenntnisse des Internationalen Seerechts: „Damit – und mit
unseren Fregatten sowieso – könnten wir die Piraten heute schon in die See
bohren“, proklamiert er kampfstark. Die Kameraden ducken ihre Köpfe zwischen die
hochgezogenen Schultern, schauen ängstlich um sich, hoffend, dass niemand die
Sätze gehört hat.
„Klar, der kann’s Maul aufreißen“, unken einige im
Flüsterton, „darf die Schulbank ja auch schon verlassen.“
Verona F., nach
Bernhard in diesem Kreis die Klügste, nimmt ein dickes Buch aus dem vorigen
Jahrhundert in die Hand: Colombo, Internationales Seerecht, steht darauf. „Steht
alles drin“, grinst sie den Piratenlehrer an. Zeigt – das Buch hoch haltend –
lachend eine Reihe blendendweißer Zähne in die Runde: „Lesen, dann werden Sie
geholfen!“
Ein kleiner, stämmiger Bursche in der letzten Reihe, hat gar
nichts kapiert: „Seeräuber-Jenny? Brecht? Colombo?“ Franz-Josef J. zuckt fragend
mit den Achseln. „Wer soll’n dat sein? Neue Krimireihe im Fernsehen?“
Der
Dunkelmann vor der Tafel zeigt mit dem Säbel auf den kleinen Schlaumeier: „Franz
Josef, setzen, sechs.“
FTS – Seefahrt international
Fregattenkapitän
d. R.
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Herzlichst Ihr Norbert Gisder |
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