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«La Supercinq»: Der Renault 5 wird 30
Samstag, 18. Mai 2002 04:00 - Von Norbert
Gisder
Genannt wurde er der «Kleine Freund». Oder «La Supercinq»,
«die Super-Fünf». In diesem Jahr feiert ein lebendes Denkmal der klassenlosen
Autogesellschaft Geburtstag - und die Aufnahme in den automobilen Adelsstand der
Oldtimer: Vor 30 Jahren hat Renault in Paris den R5 präsentiert. Wohl kaum ein
weiteres Auto nach Ente, R4 und Citroën DS hat im Nachbarland seitdem solche
Popularität erlangt. Vor allem: Kein zweites galt dermaßen als universell und
klassenlos wie der R5. «La Supercinq», die «Super-Fünf», kosten die
Millionärsgattin wie der Student ihren zweiten Liebling bevorzugt.
Sein Debüt feierte der R 5 im Frühjahr 1972. In den 22
Jahren danach rollten mehr als neun Millionen dieser munteren Kleinwagen mit dem
stadttauglichen Wendekreis von unter 10 Metern weltweit zu den Käufern, bis das
Autochen 1994 den Weg für den Clio freimachen musste.
22 Jahre R5, das sind 22 Jahre Freundschaft mit einem Auto,
die niemand, der je auf eines dieser mitunter garstigen Exemplare geflucht hat,
vergessen wird: Wenn etwa die Schweller schneller weggerostet sind als Butter in
der Sonne schmilzt, weil beim Sonnennachbarn Frankreich Zitronen wie hierzulande
Unkraut wachsen. Oder wenn, wie weiland beim Käfer, mit dem Betätigen des
Scheibenwischers in regennasser Nacht die Hupe die Nachbarn aus dem Bett riss,
die Wischerblätter jedoch stoisch untätig in ihrer Ruhestellung
verharrten.
Den «kleinen Freund» hat der Ärger seiner Besitzer nicht
gestört. Wollte er wieder, leistete er zuverlässig seinen Dienst. Vielleicht
musste man ihm nur gut zureden. Und mag sein, dass es daran liegt, dass der
Wagen nicht aus der Liebe seiner Schöpfer zu ihrem Kind, sondern buchstäblich
aus der Not geboren wurde: Sein Erscheinen auf der Weltbühne der Mobilität fällt
in die Zeit der ersten großen Ölkrise. Die Mächtigen der Autobranche rotierten -
auf der Suche nach einer Lösung für die Zeit, in der der Sprit unbezahlbar zu
werden drohte.
Mit dem R 5 reichten 3,51 Meter Auto, um bis zu 5
Passagiere mit 34 PS und einem Spritverbrauch von unter 6 Litern über 100
Kilometer zu fahren. Ein Held der Mobilität war gezeugt, ein Liebling der Damen,
den auch Herren gern bestiegen, ein Wegweiser für Ingenieure und heute noch ein
Markstein der Autogeschichte. Dazu herzlichen Glückwunsch, Renault.